Spa 2013

Spa Bikers Classics

Am 5. und 6. Juni 2013 war es wieder soweit.
Die Berg- und Tal Bahn in den Ardennen rief die furchtlosen Alteisentreiber und viele sollten ihrem Ruf folgen. Die Orga hatte es mal wieder geschafft, uns im Rahmen der Bikers Classics in Spa einzubuchen. Und von offizieller Seite wurde mehrfach betont, wie gerne man uns dabei hat und welchen Stellenwert wir inzwischen bei dieser Traditionsveranstaltung mit internationalen Teilnehmern und Publikum haben.

Im Vorfeld herrschte doch arge Aufregung bei den Rittern der schweren Schlachtrösser, ob der für uns gewählte Lagerplatz denn der richtige wäre und ob es ohne Nachtanken überhaupt möglich sei, die Strecke zu erreichen. Doch alle Aufregung war umsonst.
Denn vor Ort angekommen, zeigte sich der Platz als nahezu optimale Bühne für uns. Sowohl zum Aufbau der Wagenburgen, als auch als Präsentationsfläche für die Maschinen der CSBK.
Mit Blick auf die berühmte Eau Rouge. Eh klar: Ehre, wem Ehre gebührt.

Umgeben von Fahrern aus ganz Europa und deren Maschinen, diversen Markenclubs und Händlern von Motorradteilen, fanden wir einen gemütlichen, schon familiären Platz und richteten uns nach dem Motto ein: schön privat, aber jeder, der gucken und auch mal anfassen will, kann an die Mopeds nahe ran. Fotos wurden gemacht, Fragen gestellt und die CSBK konnte allen Freunden und Interessenten der wilden, lauten Mopeds der 80er die Speicherkarten füllen und die eine oder andere Frage kompetent beantworten.

Aufgrund der schieren Größe der Veranstaltung musste am Anfang ein bisschen gelaufen und gefahren werden, um die nötige Administration abzuwickeln. Das war aber alles in überschaubarer Zeit zu stemmen und jeder half dem Nachbarn und eigentlichen Konkurrenten mit Insiderwissen und Tipps. Kurz gesagt: Alles halb so wild und die kommenden Tage sollten zeigen, dass es das alles wert war.
Am ersten Abend jedoch der erste Schock: Stiefelte da doch ein Typ mit TÜV-Kittel ohne Hose durchs Fahrerlager und wollte sich die Mopeds vornehmen. Erster Verdacht: Ein Exhibitionist mit sehr, sehr schrägen Vorlieben wollte sich unseren Maschinen nähern, um seine Fantasien auszuleben. Doch nach kurzer Aufregung war klar: Thorsten S. hat die technische Abnahme übernommen, hatte kurze Hosen unter dem Kittel und zog den Check dann auch mit Unterstützung des rasenden Malte kompetent und konsequent bis zur Dunkelheit durch. Naja, die Wartezeit konnte man gut mit ein, zwei Bier überbrücken und auch die ersten Grills wurden schon angeworfen.

Hier zeigte sich schon, dass sich die Wohnstraße der CSBK hervorragend zum Feiern eignen könnte…

Das konnte ja nur noch gut werden an den kommenden Tagen.

Und so kam es auch. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite, was ja in den Ardennen nicht selbstverständlich ist. Die Zuschauer kamen von allen Seiten und die Trainings konnten beginnen.
Hier zeigten sich mal wieder die üblichen Verdächtigen ganz weit vorne und wurden diesmal von einigen internationalen Gaststartern getrieben, die mit feinen Mopeds auftauchten. Auch wenn das eine oder andere Teil schon mal mit ungewöhnlichen Mitteln repariert wurde. Wir sind ja einiges gewöhnt, aber dass man als Hebel zum Limaausbau kurzerhand ein ca. 10 Meter langes Eisenrohr aus dem Geländer der Tribüne mopst und sich da mit drei Mann dran hängt wie die Äffchen an der Palme, das zeugt schon von Einfallreichtum und hat auch uns beeindruckt. Schwer beeindruckt. Nur den Lima-Rotor, den hat das nicht beeindruckt.

Die Strecke verlangte den Maschinen einiges ab, denn nach ersten Fahrversuchen merkten doch einige Reiter, dass man auf dieser Berg- und Talbahn fahrtechnisch vielleicht nicht ganz so gewitzt sein muss, wie auf anderen Kreiseln, aber die Übersetzung sollte doch stimmen.

Ach ja, genug Benzin sollte eben auch im Tank sein…

Und dann waren da auch wieder die Dinge, die unsere Gemeinschaft ausmachen: Moped läuft, als hätte es Asthma und kurzerhand finden sich mehrere helfende Hände, die den Patienten wiederbeleben. Übersetzungen werden getauscht, diesmal wirklich im Wortsinn:
„ gib mir Dein Ritzel, ich geb’ Dir meins“

Und wenn die Kiste einfach problemlos läuft, dann hört man schon mal: „Also mit der Zündung KANN das gar nicht gehen, tausch sie lieber aus“ „ Aber sie läuft doch?“ „ Ja, NOCH…“

Einige unserer Mitstreiter hatten auch bei der Langstrecke gemeldet, dadurch bedingt standen sie nicht bei uns, sondern im Tross der Profiteams im „richtigen“ Fahrerlager. Hört sich besser an, als es ist, denn wir konnten feststellen, dass sich die Damen und Herren in ihrer kurz bemessenen Freizeit doch zu uns gesellten und den legendären Teil der diesjährigen Veranstaltung in vollen Zügen genossen.
Zwischenzeitlich hatte sich unser Stellplatz zu einem riesigen Wohnzimmer mit angegliederter Werkstatt und Küche entwickelt. Die Jugend sauste mit Pit-Bike und Fahrrad durch die Gegend, Familien, Partner und Fahrer trafen sich zum Brunch, Plausch oder zur Kaltschale und auch das eine oder andere Haustier stattete Küche oder Esstisch des Trosses einen hoffnungsfrohen Besuch ab.
Dazwischen die Helden, die die es wirklich schaffen die wilden Monster zu zähmen; die in der Lage sind, sich die Gabelbrücke ihrer keilenden Viecher alleine mit der Kraft ihrer haarigen Unterarme aus dem Gesicht zu drücken. Männer halt. Und die meinen es ernst, sehr ernst. Und jeder hat eine unglaubliche Geschichte zu erzählen, von überforderten Hinterreifen, überlisteter Physik, Motoren, die Hunde ansaugen können und Fahrtechniken, die selbst Profis überfordern…
Doch zuvor musste ja noch ein Rennen gefahren werden. Erstmal brachte die Truppe den Boden der Kartoffelfrittierer beim Anlassen zum Beben, um dann gemeinsam vor dem Tunnel Aufstellung zu nehmen. Scheinbar haben wir da ein bisschen Eindruck gemacht, denn es gab tatsächlich Applaus bei der Einfahrt zur Strecke und allein die Geräuschkulisse sorgte für Gänsehaut. So hoch, dass die Lederkombi zwickte. So ein Tunnel sollte vor jeder Streckeneinfahrt gebaut werden.
Nach der Einführungsrunde – ein bisschen wie Alpenrasen ohne Tankrucksack – ging es gleich zum Start heftig zur Sache und der schreiende Lindwurm flog wie an der Schnur gezogen die Eau Rouge hoch. Nicht ohne vorher im Zentimeterabstand an der Boxenmauer vorbei zu fliegen. Gerade da weiß man, warum man soviel Zeit, Mühe und vor allem eine Eisensäge in die Auspuffanlage investiert hat. Das sollte jeder mal gemacht haben. Aber auch alle, die es von außen beobachtet haben, haben heute noch glänzende Augen.
Durch die langen Geraden sortierte sich dann das Feld ziemlich schnell und einige zogen mit Siebenmeilenschritten davon, die Fights waren deshalb aber in den einzelnen Gruppen nicht geringer, denn gerade nach den schnellen Teilen muss man reichlich engagiert den Anker werfen, und je nach Ausstattung am Vorderrad und Endgeschwindigkeit ist das schon eine Herausforderung . Da wurden einige Augen unter dem Helm ganz schön groß und der Satz: „schaffichschaffichschaffich“ wurde mehr als einmal mit zusammen gebissenen Zähnen rausgepresst.
Einer der Helden, angeblich mit kleinem Budget unterwegs, dachte auch, er schafft es beim Beschleunigen aus der Kurve vor Start und Ziel…
Da seine Waffe jedoch anreißt wie der Rottweiler auf dem Spielplatz, unterhielt er das fachkundige Publikum mit einer sehenswerten Pirouette nebst spektakulärer Aufbirnung und sorgte auf den Rängen für anerkennendes Kopfnicken, im Fahrerlager aber nach dem Rennen zunächst für sorgenvolle Gesichter. Da der Herr jedoch stets mit eigenem Ärzteteam anreist und im Krankenhaus ständig rumgequengelt hat (nich dahin drücken, das tut weh; wo bin ich, was mach ich hier; was soll ich mir denn am Kopf schon groß verletzen…), wurde er flugs entlassen und in die heilenden Hände von Tine übergeben. Den Rest der Veranstaltung verbrachte er dann damit, sich pflegen und bedauern zu lassen. Das ganze natürlich nicht, ohne seinen wirklich ganz schön verballerten Helm unauffällig in der Nähe des Zelteingangs zu platzieren.
Nur Spaß. Wir sind alle froh, dass es so glimpflich ausgegangen ist.
Die meisten Anderen sind angekommen, bis auf eine leer gesaugte Batterie bei einem, der sonst nie ausfällt, ein gekillter Motor (komisch, ausgerechnet ne Kawa), irgendwas mit einer Zündung (siehste, geht halt DOCH nicht …) und angeblich war noch was mit Benzin im Tank, oder eben halt auch nicht…

Um das Alles verarbeiten zu können, mussten wir uns abends dann ein bisschen zusammen setzen.
Naja, es wurde irgendwie ganz schnell die längste Tafel westlich des Mississippi. Die Stammesältesten ließen heftige Rauchzeichen aufsteigen, diese kündeten von Bratkartoffeln und geopferten Tieren in großen Mengen und ständig rückten mehr Leute mit Tischen, Stühlen und eben auch Flaschen mit merkwürdigen Getränken klar und farbig an. Und da gerade Menschen, die mit alten Mopeds wild im Kreise fahren gerne gewohnte Dinge tun, kam es wieder dazu, dass man nach gewohnt leichtem Essen entgegen dem Reglement Drucktankanlagen zur Durstlöschung einsetzte. Alles wie gewohnt halt.
Die ganze Truppe feierte, freute sich über den gelungenen Tag und verbesserte Taktiken für das zweite Rennen mit klarem, messerscharfem Verstand. Überhaupt fällt auf, dass auch zu vorgerückter Stunde das Niveau ein hohes ist und keiner dazu neigt, trunken von Alkohol oder Erfolg laut oder gar heftig lustig zu werden. Man ist sich halt der Verantwortung bewusst, dass man die Tradition der echten, harten Kerle weiterführt, die früher die wilden Viecher mit schierer Kraft und Körperbeherrschung ( Jaja, Rest siehe oben…)

Da Alle früh ins Bett oder ins Zelt oder Auto schlafen gingen, oder einfach auch an Ort und Stelle eingepennt sind, wurde der nächste Tag wieder ein Fest für die Racer. Klar, der Eine oder Andere wurde wieder von tief fliegenden Lenkwaffen überholt (also, die sehen auch von hinten echt beeindruckend aus) aber das hinderte die wilden Einnieter nicht, mit dem Messer zwischen den Zähnen aber großer Fairness miteinander zu kämpfen.

Zum Thema Fairness noch ein kleiner Exkurs: Der Motor eines Vintagefahrers holt sich im ersten Rennen den Tod und am nächsten Tag sitzt er auf dem Ersatzmotorrad eines anderen Vintagefahrers. Einfach so. Damit er nicht umsonst den weiten Weg auf sich genommen hat und weiter seinen Spaß haben kann.

Einem ist halt wieder der Sprit ausgegangen, aber das passiert ihm bestimmt nicht noch mal, zumal sein Moped im Tunnel liegend aufgefunden wurde. Die Schieberei ist eben doch anstrengender, als gedacht…
Eine Kette lag noch bei Start und Ziel rum, sie hat aber ihren Besitzer wieder gefunden.

Die ganz Schnellen waren vorn, die etwas Langsameren waren weiter hinten, Alle hatten ihren Spaß und sind bei dieser gelungenen Veranstaltung voll auf ihre Kosten gekommen.
Neue sind zu weiteren Schandtaten verleitet worden und Gäste haben hoffnungsvolle Pläne für das nächste Jahr.
Die genauen Platzierungen kann der Interessierte in den entsprechenden Listen nachlesen.

Und die Pokale, ja die wurden von so einem Helden der 80er überreicht; so einer, der die wilden Monster mit bloßen Händen in Kurven gezwungen hat, der die Gabelbrücke beim Beschleunigen voll ins Gesicht… (Jaja, iss bekannt)
Und der fand uns gut. Hat er gesagt. Der Wayne…..Gardner….aus Wollongong….

Autor: Hansi Münich