Bremerhaven 2011

Bremerhaven Fischereihafen-Rennen
„Als der Pfingsttag gekommen war, geschah ein Brausen vom Himmel und sie wurden von dem heiligen Geist erfüllt“. Das steht so in der Bibel. Und nicht nur in der mit dem lieben Gott und so, sondern auch in der, die der geneigte Road Racer im Kopf trägt. Denn Pfingsten ist traditionell der Anpfiff zu einem der letzten echten Straßenrennen der Bundesrepublik: Dem Bremerhavener Fischereihafenrennen. Keine Amateurrennveranstaltung ist auch nur annähernd so gut besucht, und der spröde Charme des Fischereihafens kommt wohl erst durch die Strohballen so richtig zur Geltung, die die Besucher vor fliegenden Motorrädern schützen sollen. Dass die Rennläufe in diesem Jahr erstmals nicht in die Wertung der ClassicSuperbike< Masters Series einflossen, wirkte sich erfreulicherweise nicht auf die Teilnehmerzahl der CSBKler aus. Im Gegenteil, die Fahrer der CSBK, die ursprünglich gemeinsam fahren sollten, wurden auf zwei Rennklassen verteilt, um allen Fahrern die Möglichkeit zur Teilnahme zu geben.
Umbaumaßnahmen im Hafen machten in diesem Jahr eine Änderung der Streckenführung notwendig, die so um über 600 Meter verlängert und mit zwei zusätzlichen Schikanen ausgestattet wurde. Letzteres gefiel durchaus nicht jedem der Rennteilnehmer, denn in dem neu eingefügten Geschlängel kam bisweilen das Gefühl auf, mit einem LKW einen Flamingo eng umkreisen zu müssen, ohne ihn umzuschubsen. Zudem sind die Fahrzeuge der Classic Superbike Masters nicht eben für ihre überragende Handlichkeit bekannt. Bei der gemeinsamen vorabendlichen Streckenbegehung wurde denn auch die eine oder andere Stirn in tiefe Falten gelegt.
Da das Problem jedoch alle gleichermaßen betraf und Road Racing nun mal nichts mit Ponyreiten zu tun hat, mussten die Sorgen am nächsten Tag einen Schritt nach hinten treten. Tatsächlich erwies sich auch die neue Strecke als gut befahrbar und abgesehen von vereinzelten Wacklern und dem einen oder anderen Ausritt blieb die Qualifikation ohne ernsthafte Vorfälle. Ärgerlich: Das Team MMT von CSBK Seriensieger Stefan Merkens war mit einer zweiten Honda Bol d’Or angereist, die in der Superbike Open eingesetzt werden sollte, um die Leistungsfähigkeit gut aufgebauter Klassiker gegenüber modernen Tarnkappenbombern zu beweisen. Leider verhinderte ein Defekt im Motor in der Quali eine Teilnahme an den Rennen der Open-Klasse. Ein Blick auf die Rundenzeiten offenbart jedoch, dass Merkens gute Chancen gehabt hätte, im vorderen Drittel mitzuspielen; seine Rundenzeiten lagen etwa auf dem Niveau von „Mr. Hayabusa“ Elmar Geulen.

Ob es Wut über den geplatzten Motor war, oder fahrerische Souveränität sei dahin gestellt, Stefan gewann am Renntag beide Läufe der gemeinsam fahrenden AMA-Legends und NoLimits. Lediglich Norbert Witopil schaffte es, seine Suzuki GSX 1100 bis zum Schluss einigermaßen in Schlagdistanz zu halten und schoss im ersten Lauf knappe fünf Sekunden hinter ihm über die Ziellinie. Hinter ihm folgte in beiden Läufen André Velten (Kawasaki Z 1000). Auch in der NoLimits-Wertung wurde zweimal das gleiche Podium geboten. Hier dominierte Olaf Färber (Suzuki GSX-R 750), jeweils gefolgt von Holger Behnke (Kawasaki Z 1000) und Andreas „Trotti“ Trottenberg (Yamaha FZ 750). Im zweiten Lauf staubte es würzig im vorderen Mittelfeld, als der bis dahin kraftvoll aufdrehende Dirk Langkamp seine GS 1000 auf die Seite legte, nachdem er in der Cap Horn –Schikane die wenige Zentimeter breite Ideallinie knapp verpasste und die Streckenbegrenzung touchierte. Der ihn verfolgende Frank Maurer musste bei dem Versuch, Langkamps rutschendem Motorrad auszuweichen, ebenfalls zu Boden. Beide Fahrer blieben unverletzt.

Da die Vintage-Division ihre Rennläufe gemeinsam mit den Twins and Triples absolvierte, waren die Podestplatzierungen auf die Klassen verteilt. Schnellster aus der Vintage-Fraktion war hier im ersten Lauf Manfred Weiler (Rau Honda) vor Marcus Franzen (Honda Bol d’Or) und Karsten Treske (dito). Im zweiten Lauf lag Franzen vor Weiler und Treske. Die schnellste Frau im Feld, Claudia Martens (Honda Bol d’Or), wurde in beiden Läufen Vierte.

Um die eigentlichen Rennen herum herrschte das für die Veranstaltung übliche, fast schon lieb gewonnene Chaos. Die Rennläufe wurden aufgrund des knappen Zeitplanes, der keinerlei Unterbrechungen verträgt (obwohl diese bei einer derartigen Veranstaltung unvermeidbar sind), um je zwei Runden gekürzt. Die Ansagen im Fahrerlager waren nur eingeschränkt zu verstehen, darüber hinaus stimmten die Gruppenaufruf nicht immer mit der Realität des Zeitplans überein. Der Zeitplan selbst war zudem spätestens am Mittag locker eine halbe Stunde aus der Spur. Und die Zufahrt aus dem CSBK-Fahrerlager erfolgte natürlich wie gewohnt durch die auf der Händlermeile flanierenden Menschenmassen. Aber mal ehrlich: Wer jemals in den Genuss gekommen ist, beim Fischereihafenrennen Bremerhaven vor der Startampel zu stehen, der erträgt solche Kinkerlitzchen in Demut und Gelassenheit.  Und der kommt im nächsten Jahr garantiert wieder.

Autor: Thomas Arnsburg